Presseartikel

 

WEIHNACHTSBRIEF 2014 AN ALLE FREUNDE UND PILGER

                                                                                                     Crostwitz, den 22.12.2014

 

Ihr Lieben alle –

ich wünsche Euch fröhliche und gesegnete Weihnachten! Und im neuen Jahr - Gesundheit, Frieden

und das Glück des Miteinanders und des zufriedenen Herzens!

Eure Monika aus Crostwitz

 

Mein kleines Weihnachtsgeschenk an Euch soll dieser Rundbrief sein, wo ich wieder einmal auf ein erfülltes Jahr zurückschauen darf. Bilanz ziehen, sich erinnern. Was hat der Herrgott mir und der Pilgerherberge 2014 nicht alles geschenkt! Zunächst einmal 260 Pilger, jeder von ihnen für mich ein besonderer Gast. Etwas Spezielles aber war die 11. Klasse aus dem Hochfrankengymnasium bei Hof, die zu Pfingsten da waren und das Pilgern als Projekt des Religionsunterrichtes unternommen haben. Bei 32 Grad im Schatten eine wahre Strapaze. Und sie werden – eine kleine Gruppe von ihnen – wieder nach Crostwitz kommen. Sonnabend, den 21.Februar, werden sie uns mit Bildern berichten. So wollen sie etwas von dem, was sie hier Gutes erfahren haben, dankbar zurückgeben. Darauf freue ich mich schon sehr – und lade auch Euch (wer kann) zu diesem Abend ein. - Da war Robert aus Zgorzelec, der vom Alkohol und den Drogen mit Gottes Hilfe losgekommen ist. Wie er es damals versprochen hat – sozusagen "ein Deal mit Gott" - hat er sich nun, 13 Jahre später, aufgemacht um bis nach Santiago durchzupilgern, mit seinem kleinen Hündchen. - Manche kamen zum wiederholten Mal, wie Studentin Lea, die das erste Mal mit ihrem Großvater in Crostwitz zu Gast war. - Falk aus Stuttgart war mein Überraschungsgast 5 Jahre nach seinem ersten Pilgern. Damals hat er wenige Monate vor dem Tod meines Mannes Christoph noch hier die hölzerne Gartenterrasse geholfen zu erneuern, nun kam er mit dem Fahrrad.

Geschenkt wurde mir auch "ein Sommer mit Bruder". Mein Bruder Stephan aus Dresden hat einen 7-wöchigen Urlaub bei mir verbracht (nur unterbrochen von seinem Fahrradpilgern für einige Tage). Wir sind uns sehr nahe dabei gekommen, und Stephan war sozusagen "Herbergsbruder", hat sich mit um die Bedürfnisse der Pilger gekümmert, an den abendlichen Gesprächen teilgenommen und wahrscheinlich viel über das Pilgern gelernt....

Dann gab es aber noch zwei Höhepunkte des Jahres. Erstens im Juni die Einweihung der Skulptur eines Pilgers vor der Herberge (in Lebensgröße). Er grüßt nun alle Vorbeigehenden und Vorbeifahrenden mit seinem forschen Schritt, neben ihm der Wegweiser nach Santiago. Holzbildhauer Aloysius Scholze aus Säuritz und Metallgestalter und Maler Knut van der Vinzburg aus Burkau haben das Kunstwerk geschaffen.Wie sie den Pilger sehen, imponiert mir. Die Einweihung war verbunden mit einem Kaffeetrinken und vielen Gästen im Garten und einer abendlichen musikalischen Andacht in der Crostwitzer Kirche. Die gestaltete die christliche Liedermacherin Stefanie Schwab aus Würzburg, die zu dieser Zeit eine Tournee entlang des ökumenischen Pilgerweges absolvierte. Das Ganze war ein wundervolles Fest, das mit seiner Energie noch lange weiter in das Jahr hinein gestrahlt hat.

Zweitens ist mir eine Ehre zuteil geworden, mit der ich niemals gerechnet hatte: Die Verleihung des Sächsischen Bürgerpreises 2014 in der Kategorie kulturell-geistliches Engagement, weil die Pilgerherberge Crostwitz den Pilgern ermöglicht, sorbische Kultur kennenzulernen und die Toleranz fördert. Am 6. Oktober erhielt ich die Urkunde bei einem Festakt in der Unterkirche der Frauenkirche Dresden aus den Händen vom Landtagspräsidenten Matthias Rößler. Mein Mann im Himmel hat sich sicher mitgefreut.... Ich war sehr bewegt und habe den Dank auch dem Verein ökumenischer Pilgerweg und meinen sorbischen Nachbarn in Crostwitz ausgesprochen.

 

Zum ersten Mal im Leben war ich in Italien – in Rom. 4 Tage im Oktober, ich hatte mich da zwei Freundinnen aus Bautzen angeschlossen, bei einer Bildungs-gruppenreise der evangelischen Kirchgemeinden St.Petri und St.Michael. Der Vatikan, die Generalaudienz mit dem Papst auf dem Petersplatz, die antike Stadt, die Katakomben, Castel Gandolfo und ganz einfach viel Rom-flair. Es war ein gutes Erlebnis, das dazu einlädt es irgendwann später mal zu vertiefen..... Vielleicht werde ich ja mal zu Fuß nach Rom pilgern?

 

Apropos Pilgern: Das mußte ja nun auch sein, natürlich. Ohne geht es bei mir nicht mehr. In diesem Jahr führte der Camino Beate und mich von Trier nach Dijon. Vier Wochen (im Mai) – so lange war ich noch nie am Stück pilgern. Die innere Ruhe, die das mit sich bringt, genieße ich sehr – und sie greift bei so einem großen Abschnitt tatsächlich besser.... Das war dann auch meine andere Auslandspremiere des Jahres: Frankreich. Französische Herbergen und Gastfreundschaft. Was wir im Einzelnen erlebten, darüber habe ich am 20. Dezember in einem Lichtbildervortrag in meiner Crostwitzer Herberge berichtet. ( Weil noch viele andere kommen wollten aber nicht konnten, - Wiederholung ist möglich – bitte, liebe Interessenten, meldet Euch bei mir, damit wir einen Termin ausmachen können. Im Februar oder März.)

 

Was sich hier so nahtlos und schön liest, war natürlich manchmal auch anstrengend. Alles immer unter einen Hut zu bringen – ich arbeite ja auch nach wie vor beim MDR/sorbischer Rundfunk – bleibt eine ständige Herausforderung. Da muss ich schon manchmal lachen, wenn ein Pilger unschuldig fragt: "Ach, arbeiten gehst du auch noch??" Aber ich tue meine Arbeit gern – Herberge und Studio, das sind wie zwei Beine, auf denen ich stehe. In schweren oder dunklen Zeiten helfen Freunde – ihr wisst schon, wer gemeint ist.... - Nachbarn – und: der Herrgott. Der richtet`s immer so ein, dass es weiter geht. Mein großes nächstes inneres Vorhaben lautet demnach auch: mehr zur inneren Ruhe zu finden, auch die Stille aushalten zu lernen und aus ihr Kraft zu schöpfen. Es gibt zaghafte Anfänge...

 

Nun bin ich gespannt auf die nächsten Abende mit Pilgervorträgen und Kultur in meinem "Kulturwinter" in der Pilgeroase Crostwitz. Zur Erinnerung – einsehbar ist das Programm für alle Interessenten auf meiner Homepage www.pilgerherberge-crostwitz.de. Das Programm geht in dieser Saison sogar bis in die Fastenzeit hinein – es endet am 28. Februar mit der Eröffnung einer neuen Ausstellung. Vielleicht kann ich ja diesen oder jenen von Euch auch zum ersten Mal an einem der Abende begrüßen? Das würde mich freuen. Aber auch so seid Ihr jederzeit herzlich willkommen in Crostwitz. Nur mal kurz vorher anrufen bitte....

 

Nun, in diesem Sinne grüße ich Euch, ihr Lieben alle, und jeden einzelnen von Euch ganz herzlich aus Crostwitz

Eure Monika

 

 

 

 

 

 

 

 

Sächsischer Bürgerpreis 2014 an Monika Gerdes verliehen
Foto

Der Sächsische Bürgerpreis ehrt in diesem Jahr (2014) unter anderem Monika Gerdes aus Crostwitz (Bautzen), die Pilgern in ihrer Herberge die Begegnung mit sorbischer Kultur ermöglicht und darüber hinaus ein Zeichen für Völkerverständigung im ursprünglichen Sinne setzt.

Mehr dazu in der Referenz des Vereins "ökumenischer Pilgerweg e.V."

 

Referenz für Monika Gerdes zur Bewerbung zum Sächsischen Bürgerpreis 2014
Monika und Christoph Gerdes meldeten sich im Jahr 2007 bei uns, dem Ökumenischen
Pilgerweg e.V., und boten ihre Hilfe bei der Beherbergung auf dem Ökumenischen
Pilgerweg an. Bereits die Eröffnung ihrer kleinen Herberge stand im Zeichen dessen,
was dort künftig geschehen sollte:
Alle Menschen aus dem Ort und der Umgebung waren eingeladen – denn beiden war
daran gelegen, dass die Pilgerherberge keine Privatangelegenheit blieb, sondern
eingebettet sein sollte in die dörfliche Leben von Crostwitz. Die Herberge sollte von
Beginn auch zweisprachig in den Pilgerführer aufgenommen werden – Zeichen ihres
deutsch-sorbischen Miteinanders, nicht nur als Eheleute, sondern auch als Gastgeber
für Menschen aus aller Welt. Die Eröffnung wurde mit einer Segnung der Herberge
gekrönt – dies als klare Bezogenheit auf ihren christlichen Glauben, dessen guter Geist
fortan für die Pilger spürbar wurde.
Hatte alles erst mit einer kleinen Pilgeroase für Vorübergehende begonnen, so wuchs
über die Jahre ein Ort der Begegnung zwischen den Pilgern und den Menschen vor Ort.
Wie kaum in einer anderen Herberge legten Monika und ihr Mann Christoph darauf
Wert, dass das Haus für alle offenstand. Schon bald entwarfen sie kleine kulturelle
Programme, die auf dem Land gern angenommen wurden und manchen erst scheuen
Neugierigen schließlich für den Gedanken des Pilgerweges begeisterte. Unzählige
Menschen wurden von Monikas Begeisterung angesteckt und griffen selbst zum
Pilgerstab.
Für uns, als Verein, war es aber auch beachtlich, wie groß die Zahl der positiven
Rückmeldungen von Pilgern war, die in Crostwitz eine Bleibe für eine Nacht gefunden
hatten. In Foreneinträgen, persönlichen Briefen und Dankesschreiben wurde immer
wieder hervorgehoben, dass an Herzlichkeit, Güte und Fürsorge diese Herberge alle
anderen übertraf.
Große Bewunderung nötigte uns die Art und Weise ab, wie Monika mit harten
Schicksalsschlägen umging, die manch anderen in die Verzweiflung getrieben hätten.
Nach dem plötzlichen Tod Christophs wäre es verständlich gewesen, wenn sie sich aus
der oft auch anstrengenden Arbeit als Herbergsmutter zurückgezogen hätte. Wir haben
in dieser Zeit versucht, sie als hilfreiches Netz aufzufangen – waren aber alle
überrascht, mit welcher Energie Monika nun gerade die Beherbergung der Pilger weiter
führte.
Der zweite große Schlag traf sie, als 2012 ein Hochwasser die gesamte untere Etage
des Hauses komplett zerstörte und renovierungsbedürftig machte. Noch ein Jahr später
musste sie ihre Küche mit den Pilgern teilen, da die Renovierung nur schrittweise
bewerkstelligt werden konnte. In diesem Jahr beherbergte sie allein 266 Pilger und
sorgte allmorgendlich für ein gutes Frühstück, das sie – soweit es ging - gemeinsam mit
ihnen einnahm. Auch die kleine Bewirtung in der Pilgeroase, die über den Tag hinweg
von vielen ungezählten Pilgern als willkommene Rast genutzt wurde, bereitete sie jeden
Morgen.
All das leistete sie stets neben ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit. Schon im Jahresrückblick hatte sie die Krise bereits verarbeitet und schrieb hoffnungsvoll über die Räume, die „umso schöner wieder entstehen werden“ und versprach für den kommenden Winter eine neue Kultursaison. Da Monika nach und nach alle Akteure des Weges vor und nach Crostwitz kannte und miteinander in Verbindung brachte, war es ein kleiner Schritt, sie um den Beitritt in denÖkumenischen Pilgerweg e.V. zu bitten. Der Verein versteht sich als Arbeits- und Organisationsgremium, mit dem Ziel das Bestehen des Weges durch Mitteldeutschland zu sichern. Dazu gehört der Blick auf die Wegführung und mögliche Veränderungen, auf Ausschilderung und Beherbergung, auf Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzungsarbeit mit anderen Initiativen. All das leistete Monika seit ihrer Aufnahme im März 2013 selbstverständlich und mit großem Einsatz.  In Vorträgen vor Jakobusgesellschaften stellte sie das Herbergskonzept vor, dass in dieser Weise deutschlandweit beispielgebend ist. Sie organisierte eine ökumenische Pilgerwanderung zum 10-jährigen Jubiläum des Pilgerweges nach Königsbrück, bei der sich auch die Äbtissin des Klosters St. Marienstern beteiligte. In diesem Jahr dann beauftragte sie einen heimischen Künstler mit der Schaffung einer Pilgerskulptur, die feierlich am 15. Juni 2014 eingeweiht und mit einem Konzert in der Pfarrkirche abgerundet wurde. Etwa 100 Menschen kamen zu dieser Feier, die als
Ausdruck des segensreichen Wirkens von Monika angesehen werden kann.
Sie hat es in ihrer fröhlichen, begeisternden und bescheidenen Art geschafft, Menschen
zu anderen Ansichten zu bewegen. Selbst ist sie unterwegs auf den Pilgerpfaden
Europas und diese Beweglichkeit zeichnet sie aus. Sie ist in keiner der vermeintlichen
Sackgassen des Lebens stehen geblieben, sondern hat sich in großer Demut und mit
festem Mut weiterführen lassen. Sie entfaltet immer neue Ideen und Kräfte für die
Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe - dort, wo sie steht und dort, wo sie geht.

 

- Noch ein Haus für die Pilger (Auszug Sächsische Zeitung Juni 2009)